Erfahrungen im Rahmen der deutsch-tunesischen Tranformationspartnerschaft

Lernen

Im Fokus der Projekt-Arbeit mit den tunesischen NGOs (Association Sidi Bou Zitoun zusammen mit deren Kooperationspartnern) stand einerseits ein handlungsorientierter Lernprozess zu deren zivilgesellschaftlichen Positionierung auf der strategischen Ebene. Andererseits ging es inhaltlich um die Planung und Realisierung jeweils eines konkreten Modells zur Vermittlung von Natur- und Umweltzielen für unterschiedliche Zielgruppen wie z. B. der „Natur-Erlebnis-Garten“ bzw. das „Jendouba Information and Action Centre“ auf der operationellen Ebene des Lernprozesses.

 

Nachhaltigkeit

Handlungsorientiertes Lernen beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen von NGOs (Association Sidi Bou Zitoun (ASBZ), Association Tunisienne pour le Tourisme Èquitable et Solidaire (ATTES), Rayhana u.a.) und deren Vernetzung zusammen mit anderen Institutionen soll zu einer dauerhaften Stärkung der Teilhabe (Partizipation) an der gesellschaftlichen Entwicklung beitragen – das ist die strukturelle Lernebene i.S. zivilgesellschaftlicher Nachhaltigkeit. Mit der inhaltlichen Fokussierung der Projekte auf die Vermittlung von Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes (insbesondere für die Zielgruppe der heranwachsenden Jugendlichen) befand sich das Projekt darüber hinaus auf einer operativen, lernzielorientierten Ebene i.S. ökologischer Nachhaltigkeit.

 

Genderaspekte

Alle beteiligten, kooperierenden Organisationen verfolgen das Gender-Mainstreaming. 

Eine besondere Dimension erhielt das Lernkonzept zur zivilgesellschaftlichen Nachhaltigkeit zudem durch die Zusammenarbeit mit der Fraueninitiative Rayhana, sodass die Geschlechter-Gerechtigkeit in allen Projekten sowohl auf der strategisch-strukturellen wie auf der operationellen zielorientierten Ebene konstruktiv gewährleistet werden konnte. 

 

Kritische Faktoren 

Der mit den Vorläuferprojekten („Ranger Camps“ und „UBBEZ“) begonnene gemeinsame komplexe Lernprozess kam mit den Projekten „JURIK“ und „JURIK II“ in eine entscheidende Phase, wo es vor allem um die Nachhaltigkeit des Projekterfolgs ging. 

 

Die politisch-ökonomischen sowie die zivil-gesellschaftlichen Entwicklungen in Tunesien waren bis zur Revolution im Jahre 2011 sehr zentralistisch vorgegeben, was zu einer „Entfremdung“ zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft geführt hatte. Vom Projektbeginn an entstand aber eine zunehmend wahrnehmbare Bereitschaft, zivilgesellschaftliche Entwicklungen in regionaler Entscheidung selbst in die Hand zu nehmen. Regionale Verwaltungsinstanzen öffneten sich zur Kooperationsbereitschaft mit NGOs und NGOs gingen auf diese zu, um Unterstützung einzufordern. Unterstützung wurde in Form von personellen Unterstützungsleistungen sowie durch Sachmittel gewährt. Staatliche finanzielle mittel konnten allerdings nicht bereit gestellt werden.

 

Zwischen den tunesischen Projektpartnern einerseits und ENEA mit seinen Kooperationspartnern andererseits hat sich im Verlauf der Projekte eine sehr vertrauensvolle, projektbezogene Zusammenarbeit entwickelt, die auch ausdrücklich auf die handelnden Personen bezogen wurde. Die Perspektive, auf der Grundlage des eingerichteten Natur-Erlebnis-Gartens ein Konzept zur Jugendbildungsarbeit und mit dem eröffneten „JIAC“ (Jendouba Information and Action Center) eine wirksame Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit für den Natur- und Umweltschutz realisieren zu können, wird mittlerweile von einer wachsenden Zahl sowohl von Nicht-Regierungs-Organisationen als auch von Verwaltungseinheiten in der Region als wichtige Zukunftschance für die Regionalentwicklung gesehen. 

 

Um die geplante Projektentwicklung auf einen nachhaltigen Weg zu bringen war es von zentraler Bedeutung, eine möglichst breite zivilgesellschaftliche Basis herzustellen. Aus diesem Grunde wurde im Projektverlauf die Gründung einer Trägergemeinschaft bzw. eines Trägerverbundes angeregt und mit tätiger Unterstützung aller Kooperationspartner sowohl für den „Natur-Erlebnis-Garten“ als auch für das „JIAC“ eingerichtet. Die bereits begonnene vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit der tunesischen Partnerorganisationen (NGOs und Verwaltungen) und deren VertreterInnen wird fortgesetzt und wird somit zur weiteren erfolgreichen Entwicklung entscheidend beitragen.

Beraten - Moderieren - Vernetzen  

Die Projektaktivitäten der deutschen Projekt-partner (ENEA, BUND LV Niedersachsen, Deutsche Umwelthilfe, Nationalpark Harz, Gesellschaft zur Förderung des NLP Harz, TVBL Burg Lenzen, Naturwacht) waren darauf ausgerichtet, die tunesischen Projekt-partner (ASBZ, ATTES u. a.) dahingehend zu beraten, sich selbst als treibende Kraft der zivil-gesellschaftlichen Entwicklung wirksam aufstellen zu können, um mit anderen NGOs sowie mit Verwaltungseinheiten (Service des Forêts Ghardimaou, Parc National El Feija, Centre d’Affaires Jendouba, u.a.) kooperieren und um sich mit diesen vernetzen zu können. 

Die entsprechenden Gruppenprozesse wurden durch die deutschen Kooperationspartner moderiert.

 

Der Projekterfolg wurde entsprechend der ausgewiesenen Projektziele direkt ablesbar an der Mobilisierung der anvisierten Zielgruppen – regionale Kooperationspartner und heran-wachsende Jugendliche - zur aktiven Teilnahme an den Projektaktivitäten. 

Wesentlicher Erfolgsfaktor war die Bereitschaft der tunesischen Partner-Organisationen zur Bildung eines Trägerverbundes, um den Bau und den Betrieb des Natur-Erlebnis-Gartens sowie eines Informations- und Aktions-zentrums dauerhaft sicher zu stellen. Dazu gehört die dauerhafte Entwicklung eines natur- und umweltbezogenen Jugendbildungs-programms und die Unterstützung von vorhandenen und zu neu entwickelnden Natur- und Umwelt (Jugend)-Initiativen. Um diese ambitionierten Projektziele sicher zu stellen, bedurfte es einer gezielten Vorbereitung der zentralen Projektaktivitäten durch Austausch-treffen von tunesischen und deutschen Expertinnen.

 

Um bewährte Konzepte der natur- und umwelt-bezogenen Jugendarbeit in Deutschland auf tunesische Verhältnisse übertragen zu können, waren die besonderen regionalen Anfor-derungen zu recherchieren. Dies betraf die zu beteiligenden Partnerorganisationen ebenso wie das sozio-ökonomisch-kulturelle Umfeld der Zielgruppen.