‍Gründung eines Bündnisses von Bürgerinitiativen für Umwelt- und Naturschutz in Nordwest-Tunesien

‍Erfahrungen im Rahmen der deutsch-tunesischen Transformationspartnerschaft


‍Ein Evaluationsbericht

‍Ausgangssituation 

‍Am 9. Juni 2019 hat sich in Tabarka im Gouvernement Jendouba im Nordwesten Tunesiens als Ergebnis eines selbstorganisierten Entwicklungsprozesses ein Bündnis (Netzwerk) von naturschutz- und umweltschutzorientierten NGOs gegründet. Es wurde ein Leitbild (Charta) sowie eine Satzung (Statut) verabschiedet., die von 45 NGOs als Gündungsmitglieder unterschrieben wurde sowie von weiteren 15 Vertreter*innen aus staatlichen Forst- und Agrarverwaltungen sowie aus  kommunalen Gremien und Verwaltungen. Weitere NGOs werden nach internen Entscheidungs-prozessen in Kürze als Netzwerksmitglieder folgen – insgesamt sind derzeit etwa 80 NGOs und GDAs an der Entwicklung der Nordwest-Tunesischen Agentur für Natur und Umweltschutz beteiligt. 


‍Der Stakeholder orientierte Netzwerk-Entwicklungsprozess schloss Vertreter*innen aus den kommunalen Gremien, die im vergangenen Jahr erstmals aus einer demokratischen Wahl hervorgingen, sowie aus kommunalen und staatlichen Verwaltungen mit ein, um ein breites Bündnis für Natur- und Umweltschutz herzustellen. Während die NGOs satzungsmäßig Mitglieder der Agentur sind, werden die Vertreter*innen aus den im vergangenen Jahr erstmalig gewählten Ratsgremien und Verwaltungseinrichtungen als Mitglieder eines Beirats gewählt. 


‍Das Projekt BUNNT ist das fünfte Projekt in Folge im Rahmen der Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft, dessen Erfolg auf den jeweils erfolgreich durchgeführten Vorläuferprojekten beruht. Mit der stufenweisen Entwicklung von strukturellen und personellen Potenzialen in der Region Jendouba wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Netzwerkentwicklung von so vielen singulären Vereinen (NGOs) in den Bereichen des Natur- und Umweltschutzes in dem flächenmäßig sehr großen Gebiet von vier Gouvernements in Nordwest-Tunesien gelingen konnte.


‍Das durch den Netzwerk-Entwicklungsprozess entstandene Bündnis „Nordwest-Tunesische Agentur für Natur- und Umweltschutz“ mit seinen regionalen Unterzentren in den vier Gouvernements Beja, Kef, Jendouba und Siliana ist in zweifacher Hinsicht bedeutsam – einmal für den aktiven Natur- und Umweltschutz und das andere Mal für die Stärkung einer stabilen Entwicklung der Zivilgesellschaft. Die Natur und die Umwelt sind in Tunesien in vielfacher Hinsicht gefährdet, was von der Zivilgesellschaft zunehmend als Bedrohung wahrgenommen wird. Deshalb muss die demokratische Entwicklung der Zivilgesellschaft  so stabilisiert werden, dass sie nicht durch die wirtschaftliche Schwäche des Landes mit hoher Arbeitslosigkeit und extremen Disparitäten zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Regionen gefährdet werden kann. 


‍Das gegründete Netzwerk „Nordwest-Tunesische Agentur für Natur- und Umweltschutz“ bündelt das zivilgesellschaftliche Engagement von derzeit mehr als 80 Vereinen (NGOs) und Stakeholdern im Bereich Natur- und Umweltschutz in vier Gouvernements Beja, Jendouba, El Kef und Siliana in Nordwest-Tunesien, indem es die vier jeweils in den Gouvernements gebildeten „Informations- und Aktionszentren“ koordiniert, die von jeweils zwanzig bis dreißig NGOs getragen werden.


‍Projektevaluation

‍An den nebenstehend beschrieben Zielvorgaben bzw. umsetzungsleitenden Prinzipien


  • ‍A. Förderkriterien des Auswärtigen Amtes
  • ‍B. Handlungsleitende Prinzipien für partnerschaftlich gestaltete Projektentwicklungsprozesse  
  • ‍C. Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals)


‍sollen die Projekte insgesamt und besonders das Projekt BUNNT bewertet werden. Alle fünf durchgeführten Projekte bauten aufeinander auf und realisierten jeweils einen Fortschritt in der Erreichung des Ziels zur selbstorganisierten, demokratischen Netzwerkentwicklung von NGOs zum Schutz der Natur und der Umwelt in Nordwest-Tunesien.


‍Vorläuferprojekte 2013 – 2017

‍Das erste Projekt „Ranger Camps“ im Jahre 2013  zielte im Wesentlichen darauf, sich deutsche und tunesische Jugendliche gegenseitig kennenlernen, Vertrauen aufbauen und Informationen zum Stand der gesellschaftlichen Situation allgemein sowie in den Bereichs des Natur- und Umweltschutzes und des Klimaschutzes austauschen. 











‍Im zweiten Projekt „UBBEZ“ (2014/15) stand eine gemeinsames Aufgabe – die Planung eines Natur-Erlebnis-Gartens im Nationalpark El Feija in Nordwest-Tunesien – im Mittelpunkt.  











‍An diesem Planungsprojekt gestalteten sich die Kooperationen der deutsch-tunesischen Partner einerseits sowie der tunesischen Partner untereinander andererseits sehr erfolgreich und praxisorientiert. Es entstand vor allem auch eine vertrauensvolle Kooperation zwischen der Forst- bzw. Nationalparkverwaltung und den beteiligten tunesischen NGOs sowie zwischen unterschiedlichen NGOs in der Kroumirie.


‍Im dritten Projekt „JURIK“ (2016) wurde der Natur-Erlebnis-Garten im Nationalpark El Feija eingerichtet und eröffnet. Hierzu wurde ein Gestattungsvertrag abgeschlossen zwischen der Nationalparkverwaltung (NLP) und unseren tunesischen Partnerorganisationen  sowie ein Kooperationsvertrag zwischen unterschiedlichen NGOs sowie der NLP-Verwaltung als „Trägerverbund“ für den Natur-Erlebnis-Garten sowie für die Entwicklung eines Junior Ranger Programms. Es wurden auch zwei Junior Ranger Gruppen gegründet angelehnt an Grundschulen in der Region.














‍Das Ende 2017 abgelaufene Projekt „JURIK II“ hat zu einer Dynamisierung zivilgesellschaftlicher Kontakte zwischen den verschiedenen NGOs in der Region Jendouba in Nordwest-Tunesien geführt. Im Laufe der Projektarbeit wurden die verschiedenen Umweltgruppen in der Region als Gäste zu den Projektkonferenzen eingeladen, was zu einem zunehmenden Interesse nach einer förmlichen Vernetzung geführt hat. Im Ergebnis des Projektes „JURIK II“ haben sich ca. 15 Umweltgruppen zusammengefunden und einen gemeinsamen Kooperationsvertrag entwickelt und geschlossen. Es wurde ein „Jendouba Information and Action Center“ gegründet und in der Stadt Jendouba eröffnet, von wo aus die NGOs ihre umwelt- und naturschützende Informationsarbeit sowie entsprechende Aktionen im Gouvernement Jendouba seither entwickeln und ausführen. Nach den im Frühjahr 2018 durchgeführten ersten Kommunalwahlen in Tunesien konnte das JIAC wirkungsvoll als „Stimme für Natur- und Umweltschutz“ zivilgesellschaftlich in Erscheinung treten.













‍Bewertung

‍Die Förderkriterien im Rahmen der Kultur- und Bildungspolitik des deutschen Außenministeriums wurden stufenweise erfüllt in den aufeinander aufbauenden Projekten von Ranger Camps bis JURIK II. Die Ziele 


  • ‍• Multiplikatorenwirkung und Wissenstransfer zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren stärken, z.B. durch Beiträge zu lokaler und regionaler Vernetzung. 
  • ‍• Die Motivation von Bürgerinnen und Bürgern zur Teilhabe im Bereich politischer, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Vorgänge stärken 


‍wurden durch alle Projekte erreicht. Die weiteren Ziele


  • ‍• Auf- und Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen unterstützen, z.B. durch Qualifizierung,    Weiterbildung und Stärkung institutioneller Strukturen zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie Förderung inklusiver ziviler Strukturen innerhalb von Gesellschaften. 
  • ‍• Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe insbes. von Frauen und jungen Menschen erweitern, z.B. durch Maßnahmen zur Selbstbefähigung/Selbstbestimmung, Nachwuchsförderung


‍wurden beginnend bereits im Projekt UBBEZ und in JURIK ansatzweise und dann im Projekt JURIK II voll realisiert.


‍Von den handlungsleitenden Prinzipien von ENEA kam der Gemeinwohlansatz und das Prinzip der  Geschlechtergerechtigkeit in allen Projekten erfolgreich zu Tragen. Bis auf das Projekt Ranger Camps wurde der beteiligungsorientierte Ansatz ebenfalls in allen weiteren Projekten umgesetzt. 


‍Der integrierte Handlungsansatz und auch der nachhaltige Ansatz – Umwelt und Gesellschaft - wurden zudem in den Projekten JURIK, JURIK II und BUNNT erfolgreich praktiziert. Beraten, Moderieren, Vernetzen aus einem Guss sowie der Kapazitätsaufbau hinsichtlich von Lernangeboten für verschiedene Zielgruppen im Natur- und Umweltschutz wurden in diesen Projekten erfolgreich umgesetzt.


‍Erst in den Projekten JURIK II und BUNNT konnten jeweils im regionalen und überregionalen Zusammenhang die Zielebenen des ganzheitlichen Handlungsansatzes und des Community Ansatzes wirkungsvoll entfaltet und erfolgreich realisiert werden. 


‍Infolge der Etablierung zivilgesellschaftlicher Strukturen (Informations- und Aktionszentren sowie Nordwest-Tunesische Agentur) konnte das individuelle mit dem organisationalen Lernen verbunden werden und es wurden interne und externe Kooperationspotenziale zwischen NGOs  untereinander und mit anderen (zivilgesellschaftlichen) Organisationen und Einrichtungen geschaffen.


‍Das Konzept der lernenden Organisation konnte schließlich in den Projekten JURIK II im regionalen und im Projekt BUNNT sowohl im regionalen als auch im überregionalen Zusammenhang verwirklicht werden in dem Multiplikatoren als „change agents“ gewonnen und qualifiziert werden konnten, die die zukünftige Entwicklung selbstorganisiert voran treiben.


‍Von den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen wurde das SDG 4 „Bildung für alle“ in allen Projekten erfolgreich angestrebt und verwirklicht. Die SDGs 16 „Leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen“ und 17 „Globale Partnerschaften stärken“ wurde im Projekt JURIK II (und später im Projekt BUNNT) mit besonderem Erfolg realisiert.


‍BUNNT - Bündnis Bürgerinitiativen für Umwelt- und Naturschutz in Nordwest-Tunesien

‍Im Laufe der Projektperiode hatten sich auch Verbände (NGOs) aus den Nachbar – Gouvernorats Le Kef, Siliana und Beja – an der Arbeit im Gouvernorat Jendouba interessiert gezeigt. Unterstützt wurde dies durch Initiativen der tunesischen Regierung, die NGOs des Landes in regionalen und auch landesweiten Konferenzen zur Beteiligung an der zivivilgesellschaftlichen Entwicklung Tunesiens zu motivieren.


‍Der Ansatz des Projektes „BUNNT - Bündnis Bürgerinitiativen für Umwelt- und Naturschutz in Nordwest-Tunesien“ bestand in der Bündelung der zivilgesellschaftlichen Aktivitäten von NGOs in den Gouvernements El Kef, Siliana und Beja sowie Jendouba im Nordwesten Tunesiens. Dieses Vorhaben war kein „Selbstläufer“, da die zivigesellschaftliche Situation Tunesiens auf dem Weg der Demokratisierung sehr kompliziert ist. Dieses Projekt wurde Ende August 2018 vom Außenministerium genehmigt. Die Projektlaufzeit war vom 01.09.2018 bis 30.06.2019.
















‍Die für den Projektentwicklungsprozess "BUNNT - Bündnis Bürgerinitiativen für Umwelt- und Naturschutz in Nordwest-Tunesien - Aufbau eines Netzwerks von NGOs für Umwelt- und Naturschutz im Nordwesten Tunesiens" geplanten Projektbausteine wurden allesamt organisatorisch und inhaltlich sehr erfolgreich durchgeführt.


‍Ergebnisse des Projektes „BUNNT“

‍Mit der Förderung der Maßnahme sollte erreicht werden, dass ein interregionales Bündnis der Initiativgruppen und -vereine geschaffen wird. Konkret sollen Informations- und Aktionszentren für kooperierende NGOs zum Umwelt- und Naturschutz in den Gouvernaten Le Kef, Beija und Siliana aufgebaut werden. Ein Informations- und Aktionszentrum in Jendouba ("JIAC") war bereits im Vorläuferprojekt JURIK II aufgebaut worden. Zugleich soll ein interregionales Netzwerk "Bündnis Bürgerinitiativen für Umwelt- und Naturschutz in Nordwest-Tunesien" mit einer zentralen Koordinierungsstelle in Jendouba, angelagert an und unterstützt durch das bereits bestehende JIAC, aufgebaut werden. Aus den Fördermitteln wurden auch diverse Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche finanziert sowie Grundausstattungen der Büros. Im Ergebnis war 2019 ein professioneller Verbund entstanden, der nun anschließend selbsttätig die Arbeit fortsetzt.


‍Die Zielerreichung kann an den folgenden Indikatoren abgelesen werden:


  • ‍1. Das Trainings- und Qualifizierungsprogramm für die Expert*innen und die jugendlichen    Mitarbeiter*innen (NGO-Vertreter*innen) hat programmgemäß stattgefunden. Die teilnehmenden NGO-Vertreter*innen aus Tunesien haben das Programm äußerst engagiert durchlaufen und haben die erworbenen Kompetenzen dann als Multiplikator*innen im Sinne des Netzwerk-Entwicklungsprozesses in Nordwest-Tunesien erfolgreich eingesetzt. 
  • ‍2. Der Aufbau der Informations- und Aktionszentren für kooperierende NGOs zum Umwelt- und Naturschutz in den Gouvernements Beija, El Kef und Siliana wurde im Juni 2019 mit der offiziellen Eröffnung dieser Zentren "BIAC", "KIAC" und "SIPEC" vorläufig abgeschlossen.  
  • ‍3. Der Aufbau des interregionalen Netzwerks "Bündnis Bürgerinitiativen für Umwelt- und         Naturschutz in Nordwest-Tunesien" mit einer zentralen Koordinierungsstelle in Jendouba wurde durch die Verabschiedung eines Leitbildes und einer Satzung für die „Nord-West Tunesische Agentur für Natur- und Umweltschutz“ am 9. Juni 2019 besiegelt. Die „Nord-West Agentur“ hat ihren Sitz in Jendouba und ist räumlich verbunden mit dem JIAC (Jendouba Information and Action Centre)
  • ‍4. Die konkrete selbstständige Fortsetzung der Weiterarbeit des Netzwerks sowie der Informations- und Aktionszentren über 2019 hinaus (durch eigenständige Einwerbung von Drittmitteln) wird durch den Stakeholder orientierten Netzwerk-Entwicklungsprozess gestützt. Dieser schloss Vertreter*innen aus den kommunalen Gremien, die im vergangenen Jahr erstmals aus einer demokratischen Wahl hervorgingen, sowie aus kommunalen und staatlichen Verwaltungen mit ein, um ein breites Bündnis für Natur- und Umweltschutz herzustellen. Während die NGOs satzungsmäßig Mitglieder der Agentur sind, werden die Vertreter*innen aus den Ratsgremien und Verwaltungseinrichtungen als Mitglieder eines Beirats gewählt. 


‍Stärkung des Ehrenamtes

‍Dieses Bündnis „Nordwest.Tunesische Agentur für Natur- und Umweltschutz" ist in zweifacher Hinsicht bedeutsam – einmal für den aktiven Natur- und Umweltschutz und das andere Mal für die Stärkung einer stabilen Entwicklung der Zivilgesellschaft. Natur und Umwelt sind in Tunesien in vielfacher Hinsicht gefährdet, was von der Zivilgesellschaft zunehmend als Bedrohung wahrgenommen wird. Die Stärkung des Ehrenamts soll die demokratische Entwicklung der Zivilgesellschaft so stabilisieren, dass sie nicht durch die wirtschaftliche Schwäche des Landes mit hoher Arbeitslosigkeit und extremen Disparitäten zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Regionen gefährdet werden könnte.  


‍Das gegründete Netzwerk „Nordwest-Tunesische Agentur für Natur- und Umweltschutz“ bündelt zivilgesellschaftliches, ehrenamtliches Engagement von derzeit mehr als 80 Vereinen im Bereich Natur- und Umweltschutz (NGOs) in vier Gouvernements Beja, Jendouba, El Kef und Siliana in Nordwest-Tunesien, indem es die vier jeweils in den Gouvernements gebildeten „Informations- und Aktionszentren“ koordiniert, die von jeweils zwanzig bis dreißig NGOs getragen werden. 


‍Nachhaltigkeit

‍Die anstehende Aufbauarbeit des Netzwerks in den einzelnen Gouvernements sowie vor allem auf der überregionalen Ebene ist für die zivilgesellschaftliche Entwicklung entscheidend und angesichts der Rahmenbedingungen nicht ganz einfach. Vorgesehen ist ein Eintrag des Netzwerks in das nationale Vereinsregister in Tunesien, was aus formalen und praktischen Gründen sehr zeitaufwendig ist. Nach der Gründung im Juni 2019 stehen jetzt zunächst die regulären Wahlen zum Präsidium an sowie die Ausarbeitung von Arbeitsplänen und von personellen Zuständigkeiten.



















‍Bewertung

‍Im Projekt BUNNT wurden alle Ziele der Förderkriterien des Auswärtigen Amtes, der Handlungsleitenden Prinzipien für partnerschaftlich gestaltete Projektentwicklungsprozesse von ENEA und die SDGs 4, 16 und 17 bereits in hohem Maße realisiert. Während diese Ziele bereits im Projekt JURIK II auf regionaler Ebene sehr gut umgesetzt worden waren, konnten diese dank der hochmotivierten, engagierten und nach einem Jahr erfolgreicher Praxis sehr versierten Unterstützung des „JIAC“ im Projekt BUNNT professionell im Netzwerk-Entwicklungsprozess umgesetzt und zum Erfolg geführt werden. Die Verabschiedung von Leitbildern für die natur- und umweltschutzorientierte Arbeit sowie von Statuten/Satzungen für die Arbeit sowohl auf den regionalen Ebenen in den Gouvernements als auch auf der überregionalen Ebene Nordwest-Tunesiens jeweils versehen mit personellen Verantwortlichkeiten verdeutlichen dies.


‍Schlussbewertung

‍Es wurden zivilgesellschaftliche Strukturen geschaffen durch Qualifizierung, Weiterbildung und struktureller Stärkung von vielen NGOs. Dadurch wurden Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe insbesonders von Frauen und jungen Menschen aufgetan, die durch Maßnahmen zur Selbstbefähigung im Netzwerk-Entwicklungsprozess angestoßen worden waren. Dabei spielte eine große Rolle, dass zivilgesellschaftliche Multiplikatoren gefördert, ermutigt und ermächtigt wurden, den Entwicklungsprozess selbstorganisiert voranzutreiben.
Im Zusammenhang mit den erst im vergangenen Jahr entstandenen demokratischen, kommunalen Strukturen wurde hierdurch ebenfalls die Motivation von Bürgerinnen und Bürgern (NGO-Mitgliedern) zur Teilhabe im Bereich politischer, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Vorgänge massiv befördert. 


‍Als Ergebnis der handlungsleitenden Prinzipien für partnerschaftlich gestaltete Projekt-entwicklungsprozesse konnten zivilgesellschaftliche Strukturen geschaffen werden, die eine nachhaltige Fortentwicklung begünstigen im Sinne der Realisierung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen.


Evaluationskriterien


A. Förderkriterien im Rahmen der Kultur- und Bildungspolitik des Auswärtigen Amtes


Im Rahmen der Förderkriterien im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) sind die folgenden Oberziele anzustreben:


  • Auf- und Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen unterstützen, z.B. durch Quali-fizierung, Weiterbildung und Stärkung institutioneller Strukturen zivilgesellschaft-licher Organisationen sowie Förderung inklu-siver ziviler Strukturen innerhalb von Gesell-schaften.

  • Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe insbes. von Frauen und jungen Menschen erweitern, z.B. durch Maßnahmen zur Selbstbefähigung/Selbstbestimmung, Nach-wuchsförderung.

  • Multiplikatorenwirkung und Wissenstransfer zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren stärken, z.B. durch Beiträge zu lokaler und regionaler Vernetzung.

  • Die Motivation von Bürgerinnen und Bürgern zur Teilhabe im Bereich politischer, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Vorgänge stärken. 












Diese Zielsetzungen wurden in allen Vorläufer-projekten in unterschiedlicher und sich ent-wickelnder Ausprägung verfolgt. Diese Ziel-setzungen der Förderung zivilgesellschaftlicher Partizipation durch Instrumente der AKBP sind integraler Bestandteil der handlungsleitenden Prinzipien für partnerschaftlich gestaltete Projektentwicklungsprozesse von ENEA, die sich in den folgenden Leitild-Ansätzen ausdrücken.


B. Handlungsleitende Prinzipien für partner-schaftlich gestaltete Projektentwicklungs-prozesse 


bestehen für ENEA aus den folgenden Leitbild-Ansätzen:


Gemeinwohlansatz 

und Geschlechter-Gerechtigkeit


Unterstützung von Organisationen (NGOs, Verwaltungen, Unternehmen u.a.) zur Selbst-organisation in der zivilgesellschaftlichen Entwicklung für die Verwirklichung von auf das Gemeinwohl ausgerichteten Interessen sowie für die Herstellung einer Chancen- und Teilhabe-Gleichheit zwischen den Geschlechtern.


Beteiligungsorientierter Ansatz 


Die Organisation als aktiven Partner wahr-nehmen - die Verantwortungsfähigkeit der Organisationsmitglieder kann nur erreicht werden, wenn diese alle an den erforderlichen Entwicklungsprozessen beteiligt sind. Dabei geht es um die Befähigung zur Selbstorganisation sowohl der Gruppen als Ganzes als auch aller Gruppenmitglieder individuell ebenso wie um die Potenzialnutzung aller Organisationsmitglieder auf allen Organisationsebenen.


Integrierter Handlungsansatz


Alle Projektaktivitäten aus einem Guss - Verzahnung von Qualifizierung und Beratung, Moderation, Begleitung, Führung, Lerntransfer und Evaluation im gesamten Wandlungsprozess der Organisation unter Mitwirkung aller Organisationsmitglieder.


Ganzheitlicher Ansatz 


Die Organisation bzw. das Unternehmen als Lernende Organisation sehen - Verbindung von individuellen mit organisationalen Lern-prozessen, d.h. es muss aus den individuellen Lernprozessen ein Transfer in die Wissensbasis der Organisation stattfinden. Organisationales Lernen muss also mehr sein als die Summe individuellen Lernens.









Nachhaltiger Ansatz - Umwelt und Gesellschaft


Herbeiführen dauerhafter Lösungen und Kon-zepte sowie „Autonomie“ als Ziel des Entwick-lungsprozesses - Befähigung der Organisation zur autonomen Mobilisierung eigener Ver-änderungspotenziale, Schaffung einer relativen Unabhängigkeit von externen Expert*innen. Dauerhafte gesellschaftliche Lösungen kann es nur in einer intakten Umwelt und Natur geben. Deshalb werden vor allem Organisationen unterstützt, die einen Beitrag zum Erhalt der Natur und der Biodiversität sowie zum Umweltschutz bzw. zum Klimaschutz leisten.


Community Ansatz


Synergien erzeugen durch Kooperation - neue Strukturen erwachsen aus der Wahrnehmung von interner und externer Kooperation, mit anderen Gruppen am selben Ort bzw. in der Region, mit ähnlichen Zielen oder mit anderen unterstützenden Ansätzen.


Zusammen mit allen ihren Kooperations-partnern verfolgt ENEA einen Ansatz, der die Projektentwicklung als einen offenen gemein-samen Lernprozess begreift, der dem Prinzip der Nachhaltigkeit und der Chancen- und Teilhabe-Gleichheit der Geschlechter verpflichtet ist. Insofern stehen Lernen – Nachhaltigkeit – Gender-Gerechtigkeit als jeweils individuell als auch organisational bedeutsame Leitbilder im Vordergrund. Zusammengefasst werden alle diese Ansätze mit dem Leitbild „Lernende Organisation“, das ENEA in seinen Projekten zu erreichen sucht.


Lernende Organisation


Der Lernprozess verläuft dabei auf zwei miteinander verknüpften Ebenen – auf einer strategischen bzw. strukturellen sowie auf einer operationellen, lernzielorientierten Ebene. Die „Lernende Organisation“ ist die strukturelle (und strategische) Voraussetzung dafür, dass die Organisationsziele z.B. im Sinne des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzes hinsichtlich relevanter Zielgruppen auf der operationellen Ebene wirkungsvoll erreicht werden können.


ENEA mit seinen Kooperationspartnern unterstützt dabei Gruppen, NGOs u.a. durch Beraten, Moderieren und Vernetzen. Ziel ist der Bewusstseinswandel der gesamten Organisation mit allen ihren Mitgliedern auf allen Ebenen. Erfolgskriterien sind dabei Training und Coaching von „Change Agents“, „Multipli-kator*innen“, „Champions“ in den Organisationen als Treiber*innen des Leitbilds „Lernende Organisation“.


Wenn dies gelingt, einzelne Personen als treibende Kräfte für den Organisationswandel zu motivieren und zu befähigen, dann wird jede „Lernende Organisation“ ein Stück weit selbst zum Bildungsträger, der die Innovations-fähigkeit aufrecht erhält durch die Integration von Lernen und Arbeiten mit Hilfe von internen Lern- und Innovationsberater*innen.


C. Ziele für nachhaltige Entwicklung 

(Sustainable Development Goals - SDG)












Die SDGs skizzieren eine neue und ehrgeizige weltweite Agenda, um Armut und Hunger zu reduzieren, Gesundheit zu verbessern, Gleich-berechtigung zu ermöglichen, den Planeten zu schützen und vieles mehr. Echte Fortschritte werden schwer möglich sein, wenn nicht alle Kinder und Jugendlichen weltweit eine hochwertige Bildung erhalten. Daher spielt Bildung in den SDGs eine zentrale Rolle. Daten, insbesondere des UNESCO-Weltbildungs-berichts, zeigen eindeutig, dass Bildung essentiell ist für den Erfolg aller 17 nachhaltigen Entwicklungsziele.


Mit der Betonung der Rolle von Lernen und Bildung verfolgt ENEA vor allem das Ziel 4 und darüber hinaus besonders die Ziele 16 und 17 der SDGs der Vereinten Nationen.


SDG 4: Bildung für alle – inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglich-keiten des lebenslangen Lernens für alle fördern


Bildung stattet Lernende aller Altersgruppen mit den notwendigen Fähigkeiten und Werten aus, um verantwortliche Weltbürger zu sein. Dazu zählen die Achtung der Menschenrechte, der Gleichberechtigung der Geschlechter und der ökologischen Nachhaltigkeit. Investitionen in Bildung und die Stärkung des Bildungssektors sind der Schlüssel zur Entwicklung eines Landes und seiner Menschen.


SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Friedliche und inklusive Gesell-schaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zum Recht ermöglichen und leistungsfähige, rechenschafts-pflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen


Bildung hilft Menschen, Demokratie zu verstehen, fördert die Toleranz und das Vertrauen, die diese untermauern, und motiviert Menschen, sich an Politik zu beteiligen. Bildung verbessert das Verständnis der Menschen von Politik sowie ihrer Möglichkeiten, daran mitzuwirken.


Bildung steigert die Befürwortung der Demokratie, insbesondere da, wo erst kürzlich demokratische Übergänge stattgefunden haben. Die Wahrscheinlichkeit der Wahlbeteiligung ist bei gebildeten Menschen höher.


SDG 17: Umsetzungsmittel und globale Partnerschaft stärken – Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben füllen














Die 17 Ziele können nur durch eine starke globale Partnerschaft erreicht werden. Regierungen, die Zivilgesellschaft und Unternehmen müssen gemeinsam an ihrer Umsetzung arbeiten. „Niemanden zurück-lassen“, ist das Oberprinzip der Agenda 2030. Die UN-Mitgliedstaaten haben sich darauf verpflichtet, diejenigen zuerst zu erreichen, die am weitesten zurückliegen.